Kolumne2019-03-22T16:08:07+00:00

Kolumne

Warum ich einen Garten brauche ??

 

Sie essen ein Butterbrot.

Dazu eine schöne rote Tomate. Sie denken dabei, dass die Tomate einen faden Geschmack hat. Sie erinnern sich, dass alle Tomaten, egal in welchem Supermarkt gekauft, den gleichen faden Geschmack haben. Mit etwas Salz ist es ein wenig besser. Bei ihren Gedanken meldet sich plötzlich eine Stimme:
 
He – ich bin der kleine Gartenpiepmatz, ich werde versuchen dich zu beraten. Dein Geschmack ist richtig. Grund ist, dass unsere gekauften Tomaten aus dem Ausland kommen und dort unreif geerntet werden. Auf dem Weg zu uns werden sie zum Teil künstlich gereift. Dadurch schmecken gekaufte Tomaten fade.
 
Aber Piepmatz vor wenigen Tagen hatte ich Tomaten, die richtig nach Tomaten geschmeckt haben.
 
Richtig, aber du erinnerst dich auch, dass du diese Tomaten von deinem Nachbar bekommen hast. Dein Nachbar hat dir die Tomaten aus seinem Garten geschenkt.
 
Garten, ach so. Da kommt mir der Gedanke, dass ich gerne mit der Familie am Wochenende grillen würde. Leider geht das nur auf unserem kleinen Balkon. Auch nicht ideal. Ich würde auch gerne mal so in der Sonne liegen, aber der Balkon wird als Wäschetrockner benutzt.
 
Tja, hast du schon mal daran gedacht einen Garten zu nehmen?
 

Ich, einen Garten?

 
Ja einen Garten. Du denkst bei Kleingärten an jede Menge Gartenzwerge und Vorschriften. Das war mal früher so. Einige Vorschriften gibt es allerdings noch. Aber halb so wild. Heute gelten die Kleingärten nicht nur für das Gärtnern, sondern sind auch ein Ort zum Entspannen, sie sind praktisch ein grünes Wohnzimmer. Dort treffen Junge auf Alte, Familien auf Singles, Professoren auf Handwerker. Was sie alle haben, ist die Freude an der Natur, das Vergnügen am Gärtnern und die Lust, im Grünen zu genießen. Kleingärten bieten Gemeinschaft – und lassen jedem seine Individualität. Es liegt an dir, was du daraus machst.
 
Ja Piepmatz, aber was kommt denn da alles auf mich zu?
 
Chronische Topfpflanzen – Vertrocknenlasser muss ich vorwarnen: Kleingarten kommt von Gärtnern. Und das bedeutet: Spaten auspacken, in der Erde graben, Radieschen säen, Blumen einpflanzen, Gießen nicht vergessen und noch viel mehr. Das klingt zwar nach Arbeit. Ist es auch – aber eine Arbeit die Spaß macht. Zur Belohnung bekommst du Rosenduft, süße Erdbeeren und leckre Äpfel vom eigenen Baum und Tomaten, die richtig nach Tomaten schnecken. Dazu kommt die Freude über all das, was unter deinen Händen wächst und gedeiht. Das nennt man Gärtnerglück. Mit dem grünen Daumen musst du deswegen nicht geboren sein. Gärtnern kann man lernen. Und im Kleingarten nebenan gibt es immer jemanden, der dir hilft.
 
Mag ja alles stimmen Piepmatz, aber in einen Verein gehe ich nicht.
 
Keine Sorge, du wirst nicht als erster Schriftführer zwangsverpflichtet. Mit Vereinsmeierei hat das nichts zu tun. Die im Verein wollen, dass möglichst viele Menschen an ihrem kleinen Garten Freude haben. Und das funktioniert im Verein am besten.
Der Kleingärtnerverein ist zuverlässig: Er versorgt allen Zugang zu Wasser. Er kümmert sich darum, dass die Wege nicht zuwuchern. Er macht`s möglich, dass der gemeinsame Spielplatz für die Kinder Wirklichkeit wird. Der Verein ist für dich da. Im Gegenzug bezahlts du deinen Mitgliedsbeitrag und packst selbst bei den Gemeinschaftsarbeiten mit an. Jeder gibt ein bisschen, damit alle bekommen, was sie brauchen. Das versteht man unter Verein.
 
Aber was kostet denn dies alles Piepmatz? So Dicke habe ich es auch nicht.
 
Die kleinen Gärten stehen allen offen. Das ist das Prinzip der Kleingärtner Vereine. Hohe Mitgliedsbeiträge passen dazu nicht. Rechne jährlich mit laufenden Kosten von 100 bis 200 Euro. Dazu kommt eine einmalige Ablösesumme für deinen Vorgänger. Ratenzahlung gibt`s nicht. Fang schon mal an zu sparen. Du kannst auch auf den nächsten Urlaub auf Mallorca verzichten. Dafür bekommst du einen Garten. Der Verein steht dafür ein, dass du nicht übervorteilt wirst.
Kosten wird dir dein grünes Wohnzimmer auf jeden Fall viel Zeit. Du solltest schon mal mehrmals in der Woche nach dem Rechten sehen. Sonst kann dir die Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes schnell über den Kopf wachsen.
 
Aha Piepmatz, das hört sich ja nicht schlecht an. Aber wo finde ich einen Garten?
 
Du hast doch einen Nachbar, der einen Garten hat. Frage ihn einfach wo das ist. Er kann dir auch sagen, wo die anderen Gartenanlagen in unserer Stadt sind. Schau dir alle Gartenanlagen an. Kein Kleingärtnerverein ist wie der andere. In einer Anlage geht`s ruhig und gediegen zu. In der anderen herrscht fröhlicher Kindertrubel. Mach dir selbst ein Bild. Fang doch einfach mal auf dieser Seite an.
 
Ich danke dir Piepmatz für deine Ratschläge.
 
Keine Ursache Gartenfreund. Jetzt habe ich eine Bitte an dich. Wenn du endlich einen Garten hast und im Winter dorthin gehst, denke an mich, indem du mein Futterplatz immer auffüllst. Aber bitte nicht mit billigem Futter zum Beispiel aus Asien. Dort ist Samen drin, den ich sowieso nicht mag. Aus diesen Samen entstehen Pflanzen, die zum Teil giftig sind. Gib mir am besten Körner von Sonnenblumen. Ich vergrab einige für dich in die Rabatte und du kannst dich im nächsten Sommer an schönen Sonnenblumen erfreuen.
 
Geht in Ordnung Piepmatz, mach’s gut bis zum nächsten Mal.
 
 
 Quellenangabe:
 Textnachweis in abgeänderter Form von: Tobias Löser, Media Company, Berlin